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Winterbegehung Zugspitze Nordwand „Himmel und Hölle“ mit alternativem Ausstieg und ohne Seilbahnunterstützung

Inhaltsverzeichnis

Spindrifts im oberen Wandteil der Zugspitze Nordwand. Foto: Fritz Miller

27. Januar 2020. Der letzte halbwegs gute Tag, bevor das Wetter komplett umschlägt. Um 4:55 Uhr starten Michaela und ich am Parkplatz der Eibsee-Seilbahn. Es ist trüb und graupelt leicht. Im Morgengrauen stehen wir unter der Nordwand der Zugspitze. Die straffe Westströmung wirbelt im Gipfelbereich Schnee auf, der sich in Form von Spindrifts über die Wand ergießt. Es sieht nicht gut aus für uns, aber wir geben der Sache eine Chance…

In der Wand

Von Eis keine Spur, dafür jede Menge lockerer Schnee. Wir kommen dennoch gut voran und stehen bald unter der steilen, brüchigen Headwall. Hier sei Schluss mit lustig, konnten wir im Vorfeld in mehreren Berichten lesen. Sind die kommenden Seillängen Grund für die wenigen Begehungen dieser Route?

Ein alternativer Ausstieg

Zugspitze Nordwand mit Himmel und Hölle am 31.01.20. Foto: Fritz Miller

Über eine Rampe verlassen wir die Route „Himmel und Hölle“ nach rechts und gelangen so in einfacher aber heikler Kletterei ins große Schneefeld, welches ca. 200 Höhenmeter unterhalb des Zugspitzgipfels liegt. Dort steigen wir empor, halten uns links, erklettern einen Rücken und traversieren schließlich nach links, Richtung Grat. Nun trennen uns nur noch 30 Meter vom Höllental Klettersteig. Wir haben die Schwachstelle der Headwall gefunden!

Gipfel und Abstieg

Die letzten 100 bis 150 Höhenmeter entlang des Klettersteigs (und Jubiläumsgrates) bringen wir schnell hinter uns. Um 14:30 sind wir oben am Ostgipfel der Zugspitze. Längst steht der Entschluss, über die Wiener-Neustädter-Hütte abzusteigen. Bis zur Hütte brauchen wir nur eine gute Stunde.

Zugspitze Nordwand, Himmel und Hölle, Spindrifts im oberen Wandteil. Foto: Michaela Schuster

Der Weiterweg allerdings geht an die Substanz. Mit Hilfe des GPS folgen wir dem exponierten Steig, der mitunter heikel über diversen Abbrüchen quert.

Immer wieder brechen wir bis zum Bauch in den Schnee ein. Zuletzt kämpfen wir uns weglos nach unten, bis wir schließlich den Wald und bald darauf eine Forststraße erreichen.

Der Rest ist Formsache. Längst könnten wir der Pizzeria oder sonst wo sitzen, doch wir genießen den nächtlichen Rückweg zum Eibsee, der uns Zeit und unseren Gedanken Raum bietet für einen Rückblick auf einen großen Tag in den winterlichen Bergen.

Routeninfos Zugspitze Nordwand „Himmel und Hölle“ (Stand: 01/2020)

Die Route „Himmel und Hölle“ ist derzeit die einzige Route im zentralen Teil der 1200 m hohen Zugspitze Nordwand, die häufiger durchstiegen wird. Die Erstbegehung des Ausstiegsteils erfolgte im Mai 2006 durch Matthias Robl und Marcel Rossbach. Im unteren und mittleren Wandteil war wohl auch früher schon immer wieder mal jemand unterwegs. Laut Alpenvereinsführer vom Bayrischen Schneekar zum Westgipfel bereits im Jahr 1895 und zur Irmerscharte im Jahr 1900.

Zugspitze Nordwand, Himmel und Hölle. Die erste schwierige Passage. Foto: Michaela Schuster

„Himmel und Hölle“ ist als Winterroute zu verstehen. Brauchbare Bedingungen kann es vom Spätherbst bis zum Frühjahr geben, wobei eine gute Schneelage sicher vorteilhaft ist. Für den Spätwinter oder den Beginn des Frühjahrs sprechen auch die längeren Tage. Entscheidend ist allerdings eine gut gesetzte, absolut stabile Schneedecke.

Bezüglich Gesamtanspruch ist eine Einordnung dieser Route nicht einfach. Zwar bewegt man sich über weite Strecken im einfachen Gelände, am Ende werden aber besondere Fähigkeiten im Klettern im brüchigen Fels sowie im Bereich der Sicherungstechnik verlangt. Auch die Routenlänge – vom Ausgangspunkt zum Gipfel sind es immerhin 2000 Höhenmeter – kann unterschiedlich bewertet werden. Ein schnelles Team ist mit Seilbahnunterstützung womöglich mittags wieder im Tal. Wer die Bahn verpasst oder einen Fußabstieg als Teil der Unternehmung versteht, erlebt unter Umständen einen langen, anstrengenden Tag.

Absicherung und Material

Michaela in der sogenannten Eisrinne. Foto: Fritz Miller

Im unteren Wandteil sind einzelne Stände eingerichtet (Schlaghaken und Sichtbohrhaken). Vom Beginn des „Seilbahnquergangs“ bis unter die Headwall haben wir, abgesehen von der Abseilstelle zur „Eisrinne“ (1 Schlaghaken mit Reepschnurschlinge) sowie einem einzelnen Stichtbohrhaken (im Seilbahnquergang), kein fixes Material gefunden.

Problematisch ist, dass der Fels im oberen Wandteil über weite Strecken keine brauchbaren Risse für eine Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln oder Normalhaken aufweist. Folgendes Material können wir empfehlen (Auswahl):

  • 50-m-Einfachseil (für die rechte Ausstiegsvariante besser 60 m)
  • Escaper oder Rapline + Notbohrkit für Rückzüge
  • Cams #0.3–2 + kleines Keilset (mittlere Größen)
  • 1–2 kurze Eisschrauben (bei uns gab es kein Eis)
  • 2 mittlere und ein großer Pecker + kleines Sortiment Schlaghaken + ggf. zusätzlicher Felshammer
  • Stöcke für Zu- und Abstieg, gute Stirnlampen, Jetboil, leichte Daunenjacken, Gerät mit GPS-Funktion und hinterlegter Karte

Rechte Ausstiegsvariante

Fußabstieg über die Wiener-Neustädter Hütte. Foto: Michaela Schuster

Die rechte Ausstiegsvariante vermeidet den als sehr brüchig beschriebenen Originalausstieg und führt weiter rechts und etwas höher zum Grat bzw. Höllentalklettersteig. Von den 280 eigenständigen Metern liegen rund 200 m im einfachen Gelände. Die ersten 50 m, ca. M4, sind heikel, weil kaum absicherbar. Die letzten 30 m beinhalten brüchige, schlecht absicherbare Abschnitte, ca. im Grad UIAA 5+.

Einzelne Steigeisenkratzer in der ersten Seillänge deuten darauf hin, dass die hier beschriebene Ausstiegsvariante in dieser oder einer ähnlichen Form auch schon früher begangen wurde. Am Rücken vor der Ausstiegswand fanden wir einen Schlaghaken mit Reepschnurschlinge vor, der sich von Hand aus dem Fels ziehen ließ und nicht mehr neu gesetzt werden konnte.

Aktuell befindet sich in der rechten Ausstiegsvariante kein fixes Material und das Einrichten sicherer Standplätze ist schwierig und aufwändig.

Weitere Infos zur „Himmel und Hölle“ finden sich…

Blick vom Bayerischen Schneekar in die Zugspitze Nordwand mit der Route Himmel und Hölle. Foto: Fritz Miller

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Bergfreund Fritz

Zum Klettern und Bergsteigen kam ich, weil etwas wie eine große Faszination für die steile Welt in mir verankert ist (und durch ein paar Zufälle). Sicher ist es zu viel zu früh für ein Fazit. Aber wenn ich auf meine mittlerweile rund 25 Kletterjahre zurückblicke, denke ich, dass ich den Bergen und Wänden viel zu verdanken habe.

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