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Waldbaden – Naturheilmittel oder nur Placebo?

Inhaltsverzeichnis

Waldbaden wird immer populärer. Menschen sehnen sich nach der Ruhe des Waldes. Die positiven gesundheitlichen Effekte auf Blutdruck, Stress und Stimmung sind dabei ein schöner Bonus. Aber was ist Waldbaden genau? Und was sind die positiven Effekte im Detail?

Waldbaden und Waldspaziergang – Wo liegen die Unterschiede?

Waldweg
Beim Waldbaden taucht man mit allen Sinnen in den Wald ein.

Ist Waldbaden ein neues Phänomen oder nur eine moderne Bezeichnung für den altbekannten Waldspaziergang?

Eigentlich weder das eine, noch das andere. Beim Waldspaziergang geht es vor allem um die Bewegung an der frischen Luft und den Gardinenwechsel von urbaner Umgebung in die Natur.

Die Definition des Waldbadens ist therapeutischer: Es geht um das Eintauchen in die Atmosphäre und Präsenz des Waldes, was einen erholenden Effekt für Körper und Psyche hat.

In der Herangehensweise gibt es dabei verschiedene Methoden. Wichtig ist besonders Achtsamkeit zu üben und die Natur mit verschiedenen Sinnen zu erleben. Dabei sollte man sich Zeit nehmen, um Ruhe zu finden und sich frei von den Gedanken durch den Wald leiten zu lassen.

Waldbaden zum selbst ausprobieren:

  1. Man stellt, setzt oder legt sich an einer bequemen stelle in den Wald und konzentriert sich abwechselnd immer auf eine Sinneswahrnehmung. Etwa das Hämmern eines Spechtes, das leuchtende Grün der Blätter, den erdigen Duft des Totholzes, die rauen Stämme der Bäume und so weiter.
  2. 360-Grad-Sehen – hierbei lässt man den Blick langsam von den Fußspitzen zum Himmel und zurück wandern und dreht sich dabei langsam, bis man seine Umgebung vollständig visuell wahrgenommen hat.

Neu ist die Idee des Waldbadens vor allem in Deutschland. In Japan wird Waldbaden, genannt Shinrin-Yoku bereits seit Jahrzehnten betrieben und sogar ärztlich verschrieben.

Shinrin-Yoku – Waldbaden in Japan

Steintürme in einem Wald
Waldbaden stammt aus Japan, wo es Shinrin-Yoku genannt wird.

Bereits 1982 wurde der Begriff durch eine Marketingkampagne des japanischen Ministeriums für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei geprägt um den Bezug zur Natur der Bevölkerung zu stärken.

Acht Jahre später führte der japanische Professor für Umweltwissenschaften Miyazaki Yoshifumi die ersten Studien zum Thema durch und entdeckte einen Zusammenhang zwischen Aufenthalten im Wald und einem reduzierten Stresshormonspiegel.

Darauf folgende japanische Studien konnten die Effekte replizieren und Waldbaden entwickelte sich zu einer anerkannten Therapieform.

Auch an japanischen Universitäten ist Shinrin-Yoku beziehungsweise Waldmedizin ein anerkanntes Forschungsgebiet.

Japaner haben seit jeher eine enge Beziehung zum Wald. Nach traditionellem japanischen Glauben steckt in jedem Lebewesen ein Geist und manche Japaner beten sogar zu besonders alten Bäumen.

Wirkungsweisen des Waldbadens

Sonnenstrahlen durch Baumwipfel
Allein das Grün der Pflanzen wirkt beruhigend.
  • Bewegung und frische Luft: Der Wald bietet einen gesunden Kontrast zur meist sitzenden Tätigkeit in urbanen Bürogebäuden.
  • Optische Wirkung: Die Farbe Grün hat eine beruhigende Wirkung.
  • Erinnerung: Für die meisten Menschen bietet der Wald eine glückliche Umgebung. Viele haben als Kind im Wald gespielt, waren auf Zeltlagern oder bei Grillfesten. Allein der Duft des Waldes versetzt einen in diese glücklichen Momente zurück.
  • Achtsamkeit: Achtsamkeitsübungen werden unter anderem psychotherapeutisch eingesetzt. Durch die meditative Konzentration auf die Umgebung, das “Hier und Jetzt” werden Sorgen und Stress ausgeblendet. Theoretisch funktioniert das in jeder Umgebung. “Waldbademeister” argumentieren, dass der Wald besonders dazu geeignet ist sich fallen zu lassen und den Geist frei zu machen.
  • Pharmakologische Wirkung: Medizinisch besonders interessant ist beim Waldbaden die Wirkung der von Bäumen ausgestoßenen ätherischen Öle. Terpene, die zu den Phytonziden gehören sind pflanzeneigene Stoffe, die den Pflanzen zur Kommunikation dienen und Schädlinge abhalten. Einige dieser Stoffe haben eine antikanzerogene Wirkung (gegen Krebs)

Festzuhalten ist, dass die meisten der Wirkungen auch ohne spirituelles Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes funktionieren und man bei einem klassischen Waldspaziergang oder einer Trekkingtour ähnlich auf seine Kosten kommt.

Chefarzt für Naturheilkunde Professor Andreas Michalsen argumentiert, dass auch der Aufenthalt im Garten und selbst Zimmerpflanzen einen positiven Effekt haben, wenn auch der Wald das Nonplusultra darstellt.

Physiologische Effekte des Waldbadens:

Blumen am Wanderweg im Wald
Der Aufenthalt im Wald hat eine positive Wirkung auf das Immunsystem.

Der japanische Professor Qing Li gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Waldmedizin. In einer Studie zu den Effekten von Waldbadetrips auf die menschliche Immunfunktionen konnte er herausfinden, dass Waldbaden die Aktivität natürlicher Killerzellen steigert.

Natürliche Killerzellen sind eine Untergruppe der weißen Blutzellen und Teil des Immunsystems. Sie sind unter anderem verantwortlich für die Beseitigung von Krebszellen.

Die gesteigerte Aktivität der Natürlichen Killerzellen konnte in der Studie noch 30 Tage nach dem Waldbaden gemessen werden. Das legt nahe, dass bereits ein “Waldbadetag” pro Monat eine positive Wirkung auf das Immunsystem hat.

Darüber hinaus konnte Li zeigen, dass die Menge an Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin durch Waldbaden signifikant gesenkt wird.

Eine Studie der University of Michigan, Ann Arbor kam zu ähnlichen Ergebnissen. Das in Speichel gemessene Level des Stresshormons Cortisol sank bereits in den ersten 20-30 Minuten im Wald signifikant. Die Studienteilnehmer entspannten sich also.

Kein Ersatz für klinische Medizin

Waldbaden hat positive Effekte auf das körperliche und geistige Wohlbefinden. Allerdings stellt es keinen Ersatz für klinische Medizin dar.

Waldbaden ist eher als Präventionsmaßnahme zu verstehen, wird aber in Form von Waldtherapie auch zur Behandlung von psychischen Leiden oder beispielsweise in der Palliativmedizin angewandt. Dabei stehen Achtsamkeitsübungen im Fokus.

Waldbaden dient dem Umweltschutz

Beim Waldbaden, wie auch bei allen anderen Outdooraktivitäten von Spazieren bis Bergsteigen gilt:
Wer mehr Zeit in der Natur verbringt, der hat einen engeren Bezug zu ihr.

Damit wächst das Bewusstsein für menschengemachte Schäden an der Umwelt und das Interesse die Natur zu schützen.

Fazit

Blumenwiese im Wald
Waldbaden oder Spazieren – die gesundheitlichen Effekte sind ähnlich.

Waldbaden ist im Grunde ein spirituelles Walderlebnis mit vielen gesundheitlichen Vorteilen. Die Idee dazu stammt aus Japan und schwappt seit ein paar Jahren auch langsam nach Deutschland.

Als gesundheitsfördernd gelten das Grün der Bäume, die Ruhe im Wald, die Bewegung und frische Luft, Achtsamkeitsübungen, die beim Waldbaden durchgeführt werden und die von Bäumen ausgestoßenen ätherischen Öle. Als Nebeneffekt fördert der Bezug zur Umwelt das persönliche Interesse am Naturschutz.

Die meisten der Vorteile genießt man aber auch durch einen ganz banalen Waldspaziergang ohne besondere Besinnung.

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Bergfreund Jakob S.

Eine Handvoll Naturverbundenheit, eine Eimervoll Neugierde und eine Prise sportliche Neigung. Sie stellen ein Kind auf zwei Brettern in den Schnee. Sie bewegen es zum Klettern – erst im Garten, dann im Verein. Und setzen ihm schließlich den Floh ins Ohr sich der Natur AG anzuschließen. Bis heute hält sich eine Faszination für die Natur und eine Begeisterung für Sport im Wasser jeden Aggregatzustands hartnäckiger als der Sand nach einem Strandtag.

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