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Klettertechnik Teil 2 – Griffarten

Inhaltsverzeichnis

Für jemanden, der noch nie geklettert ist, zeigt der Blick an die künstliche Kletterwand eine Reihe scheinbar zufällig gesetzter Klettergriffe und Tritte. Ein geübter Blick hingegen sieht viele verschiedene Kletterrouten und Bewegungen. In gleicher Weise erkennt ein Fortgeschrittener schneller, wie ein Klettergriff optimal gegriffen werden sollte und welche Körperposition am besten dazu passt. Dieser und der nächste Artikel sollen dir dabei helfen, deinen Blick für Griffe zu verbessern.

Griffformen

Klettergriffe Henkel und Taschen

Für den Anfänger ist er der Lieblingsgriff. Aber in schweren Routen verschwindet er schnell oder ist nur im Überhang zu finden.

Auch wenn Henkel dazu verlocken sich mit purer Kraft an ihnen hochzuziehen, wird diese „Technik“ langfristig zur Frustration führen. Denn mit Klimmzügen kommt man spätestens am Felsen und in den schweren Touren nicht weit. Dann wird es wichtiger mit der richtigen Klettertechnik zu steigen. Deshalb sollte man die senkrechten und leicht überhängenden Henkelrouten in der Halle zum Erlernen der Grundlagen nutzen. Denn wenn das Niveau steigt und Henkel nur noch eine gute Ausruhposition darstellen, ist eine gute Klettertechnik hilfreicher als pure Kraft.

Leisten

Eine erste größere Hürde stellen die kleinen Leisten dar, auf die nur ein bis zwei Fingerglieder passen. Wenn man von Natur aus eine gute Fingerkraft hat, sind sie kein Problem. Da aber Ringbandverletzungen in den Fingern eine der häufigsten Verletzungen im Sportklettern sind, sind Leisten immer mit Vorsicht zu „genießen“. Denn je nach Fingerstellung bedeuten Leisten eine hohe Last auf die Fingerstrukturen.

Durch eine passende Ausrichtung reduziert sich die Verletzungsgefahr, dabei unterscheidet man drei Arten:

  • voll aufgestellte
  • halb aufgestellte
  • hängende Finger

Die schonendste aber technisch anspruchsvollste Variante ist es mit hängenden Fingern zu klettern. Wegen des kleinen Belastungswinkels muss der Körper besser positioniert werden. Deshalb nutzen die meisten Kletterer eher halb oder voll aufgestellte Finger beim Klettern. Mit diesen kann, aufgrund des größeren Belastungswinkels, über einen weiteren Bewegungsraum aktiv an den Griffen gezogen werden (siehe Bilder). Bei voll aufgestellten Fingern unterstützt der Daumen zusätzlich, doch diese Fingerstellung bedeutet gleichzeitig die höchste Last auf den Ringbändern.

In Bezug auf die Verletzungsvorsorge ist es also sinnvoller, mit hängenden Fingern zu klettern. Trotz allem ist das volle Aufstellen der Finger Teil des Kletterns und lässt sich bei winzig kleinen Leisten nicht vermeiden. Wie du die Finger langfristig auf die Belastungen beim Klettern vorbereitest, erfährst du im Artikel zur Fingerkraft.

Klettergriffe mit Fingerloch

Mann greift in Loch beim Bouldern

Schlanke Finger haben hier meistens einen Vorteil. Denn eine Besonderheit der Fingerlöcher ist ihre Größe, sie bestimmt wie viele Finger man „hineinstopfen“ kann.

Doch wie bei Leisten besteht eine hohe Verletzungsgefahr, weshalb bei Löchern auch auf die Fingerstellung zu achten ist. Zusätzlich bedeuten Löcher mit scharfen Kanten eine höhere Belastung auf die Ringbänder. Zu den häufigsten gehören Zwei-Finger-Löcher, und welche Finger du bei diesen nutzt, ist im Prinzip nicht so wichtig. Denn muskulär besteht kein Unterschied zwischen der Kombination von Ring- und Mittelfinger zu Zeige- und Mittelfinger. Aufgrund anatomischer Unterschiede der Fingerlängen ist meist eine der Varianten angenehmer.

Aufleger (Sloper)

Diese großen glatten Klettergriffe sollten am besten mit der gesamten Handfläche gehalten werden. Denn hier geht es um Haftreibung, und diese ist abhängig von Anpressdruck und Kontaktfläche. Manche Sloper haben auch kleine Erhebungen, die sich wie Leisten halten lassen.

Einer der wichtigsten Faktoren bei Slopern ist die Zugrichtung (siehe Artikel 1). In leichteren Routen findet sich meistens direkt unter dem Griff ein Tritt, damit man schön unter den Griff „tauchen“ kann (wie in Bild 2). Anspruchsvolle Routen fordern etwas mehr Technik und Kraft, hier ist es häufig nötig einen Gegenzug mit einem anderen Körperteil zu erzeugen (Wie in Bild 1).

Volumen

Volumen sind dem Sloper gar nicht so unähnlich, und aufgrund ihrer Größe lassen sie sich oft auch -wie im ersten Bild- stützen. Wer sich unter dem Volumen befindet, hat es etwas kniffliger. Am besten halten lassen sie sich, wenn die Fingergelenke genau an der Kante des Volumens ansetzen.

Stützer.
Stützer.

Stützer

An Griffen muss man nicht immer nur Ziehen, es kann auch helfen sich mit dem Handballen zu stützen. Wenn ein guter Klettergriff in einer weniger abdrängenden Wand vorhanden ist, kann man die Handfläche gegen die Wand pressen, um einen Fuß zu entlasten.

Zange (Pinch)

Zuschrauben angesagt! Durch den Daumen als Gegenspieler kann zusätzlich Druck auf Zangen ausgeübt werden. Breite Zangen sind je nach Handgröße mehr oder weniger schwer zu halten. Außerdem sollte man auf ihre Ausrichtung achten, denn sie könnten sich auch als Leiste halten lassen.

Zange (Pinch).
Zange (Pinch).

Affengriff (Knubbel und Kanten)

Draußen kaum vorhanden, aber in der Halle doch recht häufig, sind Griffe, die wie ein Knubbel aus der Wand herausragen. Hier kann man den gesamten Handballen auflegen und so die Fingermuskulatur entlasten.

Was kommt noch?

In diesem Artikel hast du die verschiedenen Klettergriffarten kennengelernt. Doch auch innerhalb der einzelnen Arten gibt es kleine, aber feine Unterschiede, die im Projekt zwischen Erfolg und Misserfolg entscheidend sein können. Diese lernst du im nächsten Artikel kennen.

Bis dahin viel Spaß beim Bouldern und Klettern!

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Bergfreund Felix

Sport ist für mich schon immer Lebensmittelpunkt, über Umwege bin ich dann am Stein hängen geblieben und ins Schreiben gestolpert. Durch das Sportwissenschaftstudium Hobby zum Beruf gemacht und die Freizeit in Felswänden um Karlsruhe oder den Alpen verbringend, schreibe ich mit der gleichen Faszination für den Basislager-Blog.

4 Comments on the Article

  1. Moritz 17. April 2019 11:23 Uhr

    Hallo Felix, super Artikel, wie auch schon der erste Teil. Allerdings hat sich beim Sloper ein weit verbreiteter Irrtum eingeschlichen. Die Haftreibung ist unabhängig von der Fläche. Entscheidend sind Kraft bzw. Anpressdruck senkrecht zur Fläche und der Reibungskoeffizient. Auf den hat man, bis auch Chalk oder ähnliches, meistens kaum Einfluss. Die Kraft kann beim Sloper meistens nur über die Richtung gesteuert werden. Und das hast du sehr gut beschrieben. Liebe Grüße Moritz

  2. Moritz 23. April 2019 07:53 Uhr

    Hallo, vielen dank für diese ausführliche Antwort. Da hast du natürlich Recht. Gerade im Bezug auf Griffe ist dein Tipp ausreichend. Ich würde es trotzdem anders formulieren, bzw. deinen 1. Punkt mit aufnehmen. Allerdings kam mein 1. Kommentar eher von Tritten. Da war ich zu voreilig mit dem schreiben. Liebe Grüße Moritz

  3. Felix 26. April 2019 02:43 Uhr

    Hallo Moritz, mit Vergnügen! Danke dir für deine potive Kritik! Gerne wieder :) Sportliche Grüsse + Happy Weekend Felix

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