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Die Geschichte der Gipfelkreuze

Inhaltsverzeichnis

Für viele Wanderer und Bergsteiger ist das Erreichen des Gipfelkreuzes gleichzusetzen mit der Belohnung für die Mühen des langen Aufstiegs. Oft begeistert eine grandiose Aussicht über schier endlose Bergkämme nach dem Erklimmen der vielen Höhenmeter. Und selbst wenn man mal außer dem Gipfelkreuz sonst kaum die Hand vor Augen im Nebel sieht, so zeigt das Kreuz auf dem Gipfel ganz klar, dass der höchste Punkt erreicht ist und die Tour auf den Berggipfel „geschafft“ wurde.

Bergfreunde posieren am Gipfelkreuz.
Nicht zuletzt durch mediale Darstellung gehört für viele das Gipfelkreuz genauso zu den Bergen wie Hütten oder Kühe.

Eine entspannende Pause am Gipfelkreuz gehört zur Bergtour ebenso dazu, wie das Gipfelfoto mit Gipfelkreuz und natürlich der Eintrag ins Gipfelbuch: Wir waren hier! Wir haben es geschafft! We made it! Dass das Kreuz ursprünglich ein religiöses Symbol ist, spielt dabei nicht für jeden Alpinisten, Kletterer oder Wanderer eine Rolle.

Ob Steinmännchen, bunte Gebetsfahnen oder eben Gipfelkreuze – für viele gehören die Markierungen einfach zum alpinen Erscheinungsbild. Sie sind ein Teil der Berglandschaft mit Almen, Wasserfällen, Geröllhalden, klaren Seen und Berghütten. Als Gipfelmarkierung, Orientierungspunkt und Fotomotiv sind Gipfelkreuze in der Vorstellung vieler Wanderer und Bergtouristen mittlerweile fest mit dem alpinen Erscheinungsbild verknüpft.

Verstärkt durch die Abbildung in verschiedenen Medien, Filmen, Werbung und natürlich Social Media Kanälen sind Berggipfel und Kreuze in allen erdenklichen Größen, Formen und Materialien eng miteinander verbunden.

Gipfelkreuz Fun Fact No. 1: Bei nur 94 Meter Höhe brauchte es für den Transport des Gipfelkreuzes auf den Fassberg im Wacholderwald Schmarbeck keinen Helikopter. Auch für „Gipfelkreuz-Einsteiger“ ein gut erreichbares Ziel für ein Gipfelfoto.

Viele Gipfelkreuze mit unterschiedlichen Geschichten

Tatsächlich gibt es gar nicht „die eine“ Geschichte der Gipfelkreuze, sondern viele verschiedene Motive, die in bestimmten Regionen, zu unterschiedlichen Zeiten oder auf speziellen Bergen zum Aufbau von Gipfelkreuzen führten. Die ersten bekannten Kreuze, die historisch eher als Wetterkreuze betrachtet werden, waren nicht nur auf Bergen und Almen zu finden, sondern auch auf Wiesen, Feldern, Äckern und Weideflächen. Seit dem 13. Jahrhundert n.Chr. erbat die mittelalterliche Bevölkerung mit Flurkreuzen und Wetterkreuzen Schutz vor Stürmen, Blitzschlag, Gewitter und Hagel von den Wetterheiligen.

Gleichzeitig markierten diese frühen Kreuze auch teilweise Gebietsgrenzen zwischen einzelnen Gemeinden und Regionen. Mit Bitt- und Bußprozessionen zu markanten Wetterkreuzen baten die Menschen zum Beispiel die heilige Anna als Schutzpatronin gegen Gewitter um Schutz und günstiges Wetter für eine reiche Ernte. Außer mit Kreuzen wurden die verschiedenen Heiligen auch mit Bildstöcken, kleinen Kappellen, Kruzifixen oder  geschnitzten Figuren verehrt.

Gipfelkreuz Fun Fact No. 2: Das erste Gipfelkreuz aus Glas wurde 2010 auf der 2339 Meter hohen Schartwand errichtet. Nur knapp sieben Jahre später wurde das 2,5 Meter hohe Glaskreuz beschädigt und musste durch eine stabilere Ausführung ersetzt werden.

Moderne Gipfelkreuze in Zeiten des Alpinismus

Gipfelkreuze, wie wir sie heute kennen, sind ein eher neuartiges Phänomen und entwickeln sich erst ab dem 19. Jahrhundert. Während Wanderer und Reisende die hohen Berge noch wenige Jahre zuvor eher mieden und absolut keinen Anlass darin sahen nur zum Vergnügen ein hohes Risiko im alpinen Gelände einzugehen, wurde das Interesse an den Bergen der Welt in den folgenden Jahren immer größer.

Das 19. Jahrhundert ist geprägt von der systematischen Vermessung der Berge, von der Gründung des Alpine Club in London, sowie der Gründung des Schweizer Alpen-Clubs, des Österreichischen Alpenvereins und des DAV. Klein- und Großglockner wurden bereits 1799 und 1800 mit Gipfelkreuzen ausgestattet, die für ihre Zeit schon sehr aufwendig gestaltet wurden.

Das Jakobskreuz auf der Buchsteinwand im Pillerseetal.
Das Jakobskreuz auf der Buchsteinwand im Pillerseetal in Tirol ist eigentlich ein Aussichtsturm in Kreuzform.

Viele Kreuze waren dagegen in der Anfangszeit von Alpinismus und Vermessung eher als schlichte Holzkreuze gehalten und wurden erst im Laufe der Jahre durch größere oder künstlerisch gestaltete Kreuze ausgetauscht. Neben dem religiösen Aspekt der Kreuze – die meisten Menschen im Alpenraum waren zu dieser Zeit katholisch – wurden die Kreuze zu dieser Zeit zunehmend auch ein Symbol der Aufklärung und ein Zeichen für eine erfolgreiche (Erst-) Besteigung.

Teilweise wurden Gipfelkreuze auch mit Blitzableitern oder wissenschaftlichen Messinstrumenten, wie Thermometer und Barometer, ausgestattet. Manche weltlichen Herrscher versuchten in dieser Zeit ihren Machtanspruch durch andere Monumente auf Berggipfeln zu zeigen und wählten dafür bewusst keine Kreuze. Im Vergleich zum weit verbreiteten Gipfelkreuz konnten sich die unterschiedlichen Pyramiden, Obelisken und Fahnenmasten aber nie wirklich im Alpenraum durchsetzen.

Mehr zur Geschichte des Bergsports findet ihr in einigen unserer Buchempfehlungen.

Gipfelkreuz Fun Fact No. 3: Das größte Gipfelkreuz ist das Jakobskreuz und steht auf der Buchensteinwand im Pillerseetal in Tirol. Es ist ganze 30 Meter hoch, hat einen eigenen Fahrstuhl, integrierte Seminarräume und natürlich mehrere Aussichtsplattformen. Damit ist das Gipfelkreuz eher ein Aussichtsturm im Kreuz-Design.

Gipfelkreuze „Boom“ nach dem Zweiten Weltkrieg

Als Andenken an die Gefallenen und als Dank für gesunde Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft stellten viele Gemeinden nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg eigene Gipfelkreuze auf. Dadurch erhöhte sich die Gesamtanzahl der Kreuze im 20. Jahrhundert noch einmal stark.

Hinter der Idee und Ausführung eines Gipfelkreuzes stehen in der Regel entweder die Gemeinden selbst, lokale Verbände – wie z.B. der Tourismusverband – oder Vereine, wie DAV, Bergwacht oder Veteranenvereine. Viele Kreuze sind auch durch private Initiativen oder durch Spenden ins Leben gerufen worden.

Für die Gestaltung werden teilweise bekannte Künstler beauftragt und mit verschiedensten Materialien, wie Holz, Stahl, Stein oder Glas gearbeitet. So entstehen schnell Kosten im unteren und mittleren fünfstelligen Bereich für ein einziges Gipfelkreuz. Hinzu kommen die laufenden Kosten für Wartung und Reparaturen.

Gipfelkreuz Fun Fact No. 4: Bei Gewitter sind Gipfelkreuze ein optimaler Blitzableiter. Das bedeutet, der Aufenthalt im Umkreis des Gipfelkreuzes kann schnell gefährlich werden. Deshalb sollten Wanderer und Kletterer bei aufziehendem Gewitter entweder den Aufstieg unterbrechen, oder zügig vom Gipfel absteigen.

Wie kommt das Gipfelkreuz auf den Berg?

Wenn das Gipfelkreuz im Tal hergestellt wurde, muss es auch irgendwie auf den Berg befördert und dort aufgestellt werden. Je nach Berg und je nach Kreuz gestaltet sich dieses Unterfangen mehr oder weniger aufwendig. Die meisten Gipfelkreuze werden tatsächlich in einzelnen Teilen von Hand zum Gipfel getragen und dort aufgebaut und fixiert.

Oft helfen dabei lokale Bergsportvereine, Bergwachten oder andere Sportvereine. Mithilfe von Tragegurten und zahlreichen Helfern lassen sich auch die meterlangen Holzpfosten gut transportieren.

Das vergoldete, 300 Kilogramm schwere Gipfelkreuz der Zugspitze wurde per Helikopter an seinen Platz transportiert.

Bei zu schmalen Pfaden und zu steilem Gelände erfolgt der Transport des Materials per Helikopter. So wurde beispielsweise das goldene Gipfelkreuz der Zugspitze 2009 per Heli auf dem Berg abgeholt, um dann einige Zeit später mit frischer Vergoldung wieder zurückgeflogen und montiert zu werden.

Bei 300 kg Gewicht und 4,88 Meter Höhe ist der Transport durch die Luft die schnellste und effizienteste Methode, um das Kreuz an Ort und Stelle zu transportieren. Kleinere Gipfel und auch Gipfel außerhalb der Alpen, wie z.B. in deutschen Mittelgebirgen und im Alpenvorland, lassen sich nach wie vor auch oft ohne Unterstützung aus der Luft mit Kreuzen ausstatten.

Gipfelkreuz Fun Fact No. 4: Mit über 4000 Einträgen ins Gipfelbuch am Gipfelkreuz des Breitenstein hält Wolfgang Schönauer einen skurrilen Rekord in den Bayerischen Voralpen. Nach bis zu fünf Besteigungen und entsprechender Eintragung an nur einem Tag und über einige Jahre, kennt er den Breitenstein inzwischen in- und auswendig.

Brauchen wir überhaupt Gipfelkreuze?

Gipfelkreuze werden immer wieder mutwillig beschädigt oder sogar komplett zerstört. Welche Beweggründe treiben Menschen dazu auf Berge zu wandern, um dann dort Gipfelkreuze zu verschandeln? Absolut unverständlich. Ähnlich äußerst sich auch Reinhold Messner, der gleichwohl kein erklärter Freund von Gipfelkreuzen ist.

Für ihn liegt die Schönheit des Berges in seiner Form und Existenz selbst. Messner richtet sich allerdings gegen jegliche Form von menschengemachtem „Schmuck“ auf Bergspitzen. Ganz egal ob es sich dabei um religiöse, spirituelle, politische oder einfach nur um Demonstrationen von Macht und Erfolg handelt.

Messner gibt außerdem zu bedenken, dass moderne Gipfelkreuze oft gar nicht am höchsten Punkt oder auf besonders wichtigen Bergen aufgestellt werden. Sie haben oft einen rein touristischen Hintergrund und sollen vom Tal aus einen tollen Eindruck hinterlassen.

Sicherlich gilt das nicht für jedes einzelne Gipfelkreuz, aber die Frage, wann es genug Gipfelkreuze sind, darf und sollte gestellt und diskutiert werden. Wenn Wanderer „die Berge vor lauter Gipfelkreuzen“ nicht mehr sehen, hat das Kreuz seine Symbolik in jeder Form verfehlt.

Messner selbst möchte aber auch nicht die bestehenden Gipfelkreuze entfernen. Er betrachtet sie stattdessen als wichtige kulturhistorische Zeugnisse und verurteilt Vandalismus aufs Schärfste. Vielen Wanderern und Bergsteigern sind die teils beeindruckenden, teils schlichten und teils künstlerisch ausgearbeiteten Kreuze auf den Gipfeln einfach ans Herz gewachsen.

Und das auch ganz ohne religiösen, spirituellen oder machtpolitischen Beweggrund. Einfach als schöner und wichtiger Teil ihrer persönlichen Touren und Erlebnisse in den Bergen.

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Bergfreund Jan L.

Angefangen hat alles mit Camping im selbstgebauten Wohnmobil. Im Winter erst auf zwei Brettern am Anfängerhügel, später dann nur noch auf einem im Powder. Im Sommer fast immer am und auf dem Wasser – ganz egal ob am Meer, See oder Fluss. Mal auf zwei Rädern über die Schwäbische Alb, mal auf vier Rollen durch die Stadt oder mit Wanderstiefeln an den Füssen in den Alpen, Pyrenäen und im Himalaya. Ob mit Kletterseil im Kalkstein, mit Klettersteigset im Granit oder mit Bouldermatte am Kunstharz.

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